Editorials – Texte

Editorial Newsletter Oktober 2017

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
 
nach einer Sommerpause erscheint nun wieder mein Newsletter. Eine Pause, in der trotz Sommer und Urlaub viel passierte.
Der Sommer war überschattet von einer Bundestagswahl, an deren Schluss eine nach meinem Verständnis verfassungsfeindliche Partei in den Bundestag einziehen wird. Jede Woche treffen wir uns in Abendgruppen, deren Kernanliegen Empathie, Toleranz und Respekt sind. Seit knapp dreißig Jahren praktiziere ich „Buddhismus“ und auch schon vorher habe ich mich für eine humane Gesellschaft engagiert. Nun haben wir eine Partei im Bundestag, von der ich befürchte, dass sie das gesellschaftliche Klima noch weiter vergiften wird. Das Wahlergebnis scheint mein Engagement ad absurdum zu führen, es wirkt wie ein Scheitern meines Bemühen um ein friedliches Miteinander.
 
Was mir fehlt ist ein klares STOP aller Bestrebungen gegen Menschlichkeit und Demokratie. Toleranz darf nicht die Intoleranz tolerieren! Unser Grundgesetz hat aus schrecklicher Erfahrung klare Grenzen formuliert, die z. B. im Paragraph 3 formuliert wurden. Da heißt es u. a.: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Neben der Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen, die in Paragraph 1 festgelegt wird, werden hier eindeutige Grenzen der politischen Kultur und des Zusammenlebens in unserem Land gesetzt.
 
Solche Grenzen werden auch im Buddhismus gezogen. In Konflikten nicht mit Hass und Feindseligkeit reagieren und andere nicht zu verurteilen und abzuwerten sind wichtige Aspekte der buddhistischen Praxis. Hass gilt als Grenze, ein deutliches STOP, das uns ermahnt, auf unsere emotionale Verfassung zu schauen, unsere Haltung zu hinterfragen und diese friedlicher und offener werden zu lassen.
Auch wenn die aktuellen politischen Ereignisse ein anderes Bild abgeben, setze ich weiter auf die Menschen weltweit, die sich für Frieden und Mitgefühl einsetzen und dieses auch sichtbar vorleben. Achtsamkeit wird weltweit immer populärer. Thich Nhat Hanh und seine über den ganzen Kontinent verstreuten Gemeinschaften fördern ebenfalls ein friedliches und offenes Klima. Buddhisten überall auf der Welt engagieren sich mit den vielen anderen sozial und ökologisch ausgerichteten Gruppen. Alle zusammen setzen Zeichen der Menschlichkeit und mahnen für Frieden. Ich möchte Sie alle ermuntern, dies zu unterstützen und dabei mitzuwirken.
 
Ich habe mich entschlossen zusätzlich zu den offenen Abendkreisen noch einen Abend zum Thema Achtsamkeit im Alltag und in der Kommunikation anzubieten. (Werkstatt für achtsame Kommunikation www.wfak.de). Wir treffen uns donnerstags ab dem 9.11. bis vorerst 14.12. immer ab 19.30 Uhr. Die Abende sind Praxis und Lern-Abende in einem und nach jedem Abend ist die folgende Woche als persönliche Übungswoche gedacht, die dann im Seminar reflektiert werden kann. (Anmeldung geht auch hier bei facebook über PN)
 
Ich wünsche allen einen hoffentlich noch golden werdenden Oktober
 
Liebe Grüße

Editorial Newsletter Juli 2017

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
vor wenigen Tagen nahm ich Teil an einer buddhistisch – christlichen Begegnung im Kölner DomForum zum Thema Loslassen. Ich sprach über Loslassen aus einer buddhistischen Perspektive. Ich möchte sie auch ihnen in gekürzter Version vorstellen, denn dieses Thema beschäftigt doch viele von uns.

Wie in meinem Vortrag möchte ich einen Ausspruch eines japanischen Zen-Meisters voranstellen:
Kommen lassen – gehen lassen, auch noch das Loslassen lassen!

Interessanter Weise wird im Anapanasati-Sutra, einer umfangreichen Anleitung zur Praxis von Achtsamkeit und Meditation, als letzter von sechzehn Aspekten das Loslassen genannt. Es stellt sich ein, wenn ich alle meine körperlichen und mentalen Prozesse beobachtet und untersucht habe und feststelle, alles wandelt sich permanent, ist vergänglich und hat nichts Beständiges oder Unabhängiges. Auch das, was wir Ich nennen, unser Ich-Bewusstsein stellt sich bei einer genauen Beobachtung als sich ständig wandelnd und veränderlich dar.

Aus dieser Beobachtung, nicht Überlegung oder Glauben, kommen wir zu der Erkenntnis, dass es nichts gibt, was Halt geben könnte. Loslassen ist nicht mehr eine Aktivität, eine Entscheidung etwas aufzugeben, den Kleiderschrank oder Keller zu entrümpeln, sondern die Erkenntnis, wir sind in einem Lebensfluss, dem wir uns ganz anvertrauen können.
„Sotapanna“, der „in den Strom Eingetretene“, ist jemand, der sich von den ersten drei Fesseln befreit hat, wobei die erste die „Ich-Sucht“ ist. Wer in den Strom eingetreten ist, hat nichts mehr, an dem er sich festhält. Er schwimmt mit ohne Widerstand und ist offen für den Fluss des Lebens.

Kinder auf einem Kirmeskarussell sitzen manchmal sehr bemüht und angestrengt auf den Pferden oder Polizeiautos. Sie halten fest weil sie glauben, sie hätten Einfluss auf das Drehen und den Verlauf des Karussells. Wir werden von unserem Leben getragen, mitgenommen auf eine Reise, die wir letztlich nur wenig beeinflussen können. Wir sagen Schicksal und wissen, wir haben es nicht in der Hand. Schauen wir noch tiefer, erkennen wir, dass auch das, was wir als Ich oder Selbst identifizieren, in diesem Fluss sich befindet.

Diese Erkenntnis ist eine Befreiung, ein Gewinn an Leben. Denn jetzt schwimmen wir mit dem Leben und können es mit offenem Herzen und frei von allen Widerständen genießen.

ÜBER DIE GEDULD 
Man muss den Dingen
die eigene,
stille ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…
Man muss Geduld haben
mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selbst zu lieben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.
(von Rainer Maria Rilke)

Liebe Grüße
Werner Heidenreich

 

Editorial Newsletter Juni 2017

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in unseren abendlichen Meditations- und Gesprächskreisen kam die Frage nach unserem Engagement für Ökologie und soziale Gerechtigkeit auf. Wir mussten uns eingestehen, dass wir, egal, was wir bereits an Einsatz und Konsequenz für eine gesunde und gerechte Welt leisteten, nicht den Ansprüchen gerecht wurden, die allgemein notwendig und dringend erschienen.
Im Verlauf des Austauschs wurde aber auch deutlich, dass wir mit unserer Meditation, Achtsamkeit und Metta-Praxis (Liebende Güte) vielleicht einen größeren Beitrag die Menschen und Natur leisten, als uns bewusst ist. Wofür wir uns auch immer engagieren, entscheidend für den nachhaltigen Erfolg ist die innere Haltung, aus der heraus dies geschieht. Besonders kraft- und wirkungsvoll erscheinen uns Handlungen, die getragen sind von umfassenden Mitgefühl und grundlegendem Wohlwollen.

In unserem Meditationsraum befindet sich eine Kalligrafie von Thich Nhat Hanh mit dem kurzem Satz: „peace begins with your beautiful smile“. Nicht nur der Friede, sondern auch unsere Aktivitäten könnten mit einem Lächeln beginnen, das zeigt, dass wir nicht mit Hass oder Aggression handeln, sondern auch im Konflikt Mitgefühl und Wohlwollen halten können.
Manchmal sind es kleine Gesten, die mehr bewirken als lange Auseinandersetzungen und Streitereien. An unseren Abenden wurden mehrere Beispiele geteilt in denen ein freundliches Lächeln und einfühlendes Wort Knoten lösten, die Atmosphäre lockerten und verschlossene Ohren wieder öffneten.

Besonders berührt hat mich die Geschichte eines Teilnehmers, der eine längere Wanderung gemacht hatte. Ein Bahnbeamter und eine Empfangsdame fielen ihm durch ihre besondere Freundlichkeit und Achtsamkeit auf. Durch ihr freundlich, sanftes Verhalten wurden sie für ihn eine Art Achtsamkeitsglocke für sein eigenes Verhalten.

Durch seine Erzählung wirkten sie nun auch noch hinein in unseren Kreis und ihre gute Energie setzt sich in uns fort. Sie schenken auch uns Mut und Zuversicht, dass kleine unscheinbare Handlungen, kommen sie vom Herzen, durchaus viele Menschen erreichen und diese positiv motivieren können.

Schließen möchte ich mit einem mir sehr wichtigen Satz aus dem Metta-Sutra:
Ob ich stehe oder gehe, sitze oder liege, achtsam entfalte ich diese Gesinnung [ein freundlicher und mitfühlender Geist], dies ist mein himmlisches Weilen.

Liebe Grüße
Werner Heidenreich

Editorial Newsletter Mai 2017

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
vor wenigen Tagen machte ich eine Gehmeditation allein in einem kleinen Waldstück. Ich kam an einem einsam gelegenen Haus vorbei, aus dem bei meinem Erscheinen zwei mittelgroße Hunde heraus liefen und auf mich zu stürmten. An ihrem Schwanzwedeln erkannte ich ihre Freude über mein Erscheinen und kaum bei mir angelangt, begrüßten sie mich herzlichst auf Hundeart.
Während ich sie streichelte und tätschelte, wurde mir gewahr, was für eine freundliche und lebensbejahende Stimmung gerade herrschte. Freude und Herzlichkeit statt feindseliges Geknurre oder aggressives Bellen! Wie nah lagen doch beide Welten gerade beieinander. In einer solchen Situation böses Gebelle zu hören, wäre fast noch eher zu erwarten gewesen. Doch sie wählten die andere Möglichkeit und machten diese Begegnung dadurch so angenehm. Ich erlebte ihre große Lebensfreude, die mir sehr viel größer erschien, als wenn die beiden Neuem und Fremden generell verschlossen, argwöhnisch oder feindselig gegenübertreten.
Mir schien es, als würden die beiden die Metta-Praxis, das umfassende Wohlwollen, für sich umgesetzt haben. Mich ließen die beiden jeden falls nicht mehr los mit ihrer spontanen freundlichen Begrüßung. Für mich wurden sie zu zwei Achtsamkeitsglocken der Lebensfreude und erinnerten mich darin, mit einem offenen und freundlichen Ja dem Leben zu begegnen.

Liebe Grüße
Werner Heidenreich

 

 

Editorial Newsletter April 2017

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
mein letztes kurze Editorial über die Notwendigkeit eines liebevollen „Wohlfühlbuddhismus“ hat eine sehr positive Resonanz ausgelöst. Offensichtlich steht für viele Praktizierende der innere Frieden und ein sanftes freundliches Gemüt im Vordergrund.
Ich wurde gebeten, ausführlicher über die „Mettapraxis“ (Liebende Güte) im Buddhismus zu schreiben und eventuell Anleitungen und Hinweise vorzustellen. Ich mache das sehr gern und lasse nochmals den burmesischen Mönch Sayadaw U Indaka sprechen. Er betont die sanfte Grundhaltung der Mettapraxis, um die wir uns im Alltag kümmern können.
Mehr Freundlichkeit und Akzeptanz, weniger Kampf und Unfrieden!

– Das Wesen von Metta ist immerzu friedvoll und erfrischend, es ist in keinem Falle sengend wie schwelende Glut.
– Das Wesen von Metta ist immer liebevoll und gütig, es verwandelt sich nie in Hass.
– Das Wesen von Metta ist immer sanft, mild, fein und zart, es ist nie harsch und grob
– Das Wesen von Metta ist immer klar und frisch, es ist nie abgestanden oder welk. – Das Wesen von Metta hält nur nach den guten Seiten Ausschau, es hält nie nach den schlechten Seiten Ausschau und sucht nicht nach Fehlern.
– Das Wesen von Metta ist immer zur Vergebung bereit, es ist nie unterdrückend oder Macht ausübend.
– Das Wesen von Metta ist nur darauf bedacht, zu helfen und zu unterstützen. Es ist völlig frei von irgendwelchen zerstörerischen Impulsen
– Das Wesen von Metta ist darauf bedacht, nur zum Segen anderer Lebewesen zu handeln, es handelt nicht, um segensreiche Auswirkungen für uns zu gewinnen.
– Das Wesen von Metta ist von allen Verstrickungen befreit, es ist immerzu unabhängig und frei.
Sayadaw U Indaka

Ich wünsche allen einen wunderschönen Frühling.

Liebe Grüße
Werner Heidenreich

 

Editorial Newsletter März 2017

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
hin und wieder kommt die Frage auf, welcher Art von Buddhismus ich denn folge? Im Netz las ich von Menschen, die sich als „Hardcore-Buddhisten“ bezeichneten, einen stetigen Kampf um das Erwachen und die Überwindung eigener Schwächen führen würden. Sie beschrieben ihre Meditationen als die für sie schwersten und schlimmsten Zeiten, in der sie fürchterliche Kämpfe auszufechten hätten gegen innere Dämonen und ihre eigenen Schwächen.

Ich würde demnach zu den „Wohlfühlbuddhisten“ gehören, die es sich nur gemütlich machen wollen und nicht bereit seien, hart und konsequent gegen sich zu kämpfen.
Aber genau dazu möchte ich gerne aufrufen im Angesicht der allgemeinen Verrohung und des zunehmenden Hasses weltweit: Beendet die Kriege im Inneren und Außen. Lasst uns Mitgefühl, Wohlwollen und Frieden praktizieren und zwar jetzt und nicht erst damit warten bis irgendwann zum Sankt Nimmerleinstag.

Jeden Dienstag praktizieren wir die sanfte „Metta-Meditation“. Frei von inneren Kämpfen stimmen wir unseren Geist auf Frieden und liebevolles Wohlwollen ein. Das Paliwort für Meditation lautet bhavana was wörtlich übersetzt „ins-Dasein-Rufen“ bedeutet, aber oft auch mit „Entfalten“ übersetzt wird. Wir entfalten sanft in Stille eine liebevolle Haltung und gewöhnen mit der Zeit unseren Geist an diese. Schon die Meditation selbst ist bereits Mettapraxis die uns inneren Frieden und Wohlbefinden schenkt. Wohlfühlbuddhismus pur!

Im Metta-Sutra heißt es:
Ob ich stehe oder gehe, sitze oder liege, achtsam entfalte ich diese Gesinnung, dies ist mein himmlisches Weilen.

Ich glaube, dass unsere Zeit nach Menschen ruft, die diese Haltung verinnerlicht haben und diese der Welt weitergeben können.
Für mich zählen nicht so sehr die Argumente und Worte, die mir entgegengebracht werden, sondern die Haltung aus der heraus sie gesagt werden. Ich glaube, wer mitfühlt und Wohlwollen gegenüber seinen Mitmenschen empfindet, der folgt nicht einfach populistischen Lösungen und kann sich an keinem „Shitstorm“ beteiligen. Engagierter Buddhismus basiert auf der Metta-Haltung, die uns mitfühlen lässt, wenn Tausende von Menschen im Mittelmeer elendig ertrinken, Millionen von Menschen plötzlich aus dem Land, in dem sie schon viele Jahre leben, ausgewiesen werden oder eine dramatisch steigende Zahl von Menschen Opfer von rassistischen und fremdenfeindlichen Übergriffen werden.

„Wohlfühlbuddhisten“ sind nach meinem Verständnis genau die Buddhisten, die unsere Zeit jetzt braucht. Nur Liebe überwindet Hass, nur mit einem friedlichen Herzen können wir Krieg vermeiden bzw. beenden.

Je mehr Leute Metta praktizieren, desto eher wird diese Welt zu einem angenehmen, friedlichen und erfreulichen Ort.
Sayadaw U Indaka, burmesischer Mönch und Gelehrter

Liebe Grüße
Werner Heidenreich

Editorial Newsletter Februar 2017

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wie fragil unsere Lebensbedingungen sind, vermeintlich Sicheres plötzlich schwinden kann, zeigen uns u. a. die Geschehnisse der letzten Wochen in den USA.

Die Frage steht an, wie gehen wir damit um, was könnte ein buddhistischer Umgang mit solchen existentiellen Krisen sein? Yoniso manasikara, das angemessene Reagieren, Ergründen oder Erwägen ist eine vom Buddha gelehrte Praxis, die mir für eine solche Situation sehr wichtig und hilfreich erscheint.

So wie das Morgenrot der Vorbote ist für die Sonne,
so ist weises Ergründen der Vorbote
für den Edlen Pfad zur Befreiung.
Samyutta Nikaya 45, 49-62

Ich verstehe darunter ein Verweilen und sich Zeit nehmen für ein Thema und es in Ruhe zu bedenken und zu untersuchen. In der Flut der Nachrichten die wirklich relevanten Themen herausfinden und uns allein ihnen zu widmen.

Im Alltag sind wir hin und her gerissen mit unserer Aufmerksamkeit, uns fehlt meist die Zeit, etwas tiefer und ausführlicher zu schauen. Aktuell sind viele von uns wie gebannt von den Ereignissen in den USA. Täglich gibt es neue Vorkommnisse und Nachrichten zu Trump und seiner Politik. Folgen wir dieser Flut, verlieren wir uns schnell in einen Strudel von Gedanken, Sorgen und Gefühlen, die letztlich Ohnmacht und Verzweiflung auslösen. Wir bekommen alles mit, können aber selbst nicht eingreifen.

Konzentrieren wir uns nur auf das, was wir wirklich beeinflussen können, für das wir Verantwortung tragen, also Antwort zu
geben haben, wird die Last schon sehr viel geringer und ein Teil der Sorgen schwindet. Heutzutage ist diese Minimierung auf das Wesentliche eine echte Kunst. Gelingt uns dies, erleben wir uns als frei und selbstbestimmt und haben nun den nötigen Raum, unsere Weisheit sprechen zu lassen. Wir sind bei unseren persönlichen Themen und können uns diesen mit ausreichender Aufmerksamkeit zuwenden.

Gerade weil wir in dieser krisengeschüttelten Zeit so herausgefordert sind, wir dringend gebraucht werden, ist es so wichtig, zu wissen, was uns betrifft und was wir loslassen oder vorbeiziehen lassen können.
Um die nötige Mitte zu halten empfehle ich unsere Meditationskreise. Mittwochs bieten wir ab Februar zusätzlich vor dem Gesprächskreis noch die Möglichkeit von 20.00 bis 20.25 Uhr zu meditieren.

Liebe Grüße
Werner Heidenreich

Editorial Newsletter Januar 2017

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich schreibe diese Zeilen während eines Kurzurlaubs auf Mallorca. Ruhig ist es hier, die Sonne scheint am klaren blauen Himmel, gefrühstückt wird draußen im Sonnenschein und in der grünen Umgebung gibt es wunderschöne Blüten zu bewundern. Doch schon morgen geht es zurück nach Köln in den Winter mit Frost, Schnee und heftigen Stürmen.

Die Kürze des Urlaubs zwingt mich gerade zu, jeden Augenblick mit höchster Achtsamkeit zu genießen, denn ich weiß ja, wie schnell schon alles vorbei sein wird. Jede Minute hier zählt und erscheint mir wie ein großes Geschenk des Schicksals.

Gerade jetzt, zum Jahreswechsel, überträgt sich dieses Bewusstsein für die Vergänglichkeit auf mein Leben und macht mich dankbar für das bisher Erlebte, die vielen bewegenden und faszinierenden Erfahrungen und Begegnungen, die ich machen durfte. Es entsteht zugleich auch ein Frieden mit der schmerzhaften Seite der Vergänglichkeit, zu der Trennungen und das Enden vieler schöner Situationen und Dinge gehören.

Zum Start ins Neue Jahr 2017 möchte ich Ajahn Chah zitieren. Er empfiehlt uns, sich der Vergänglichkeit bewusst zu sein, was viele unserer vermeintlichen Probleme gar nicht erst enstehen lässt. Sind wir uns bewusst, wie flüchtig unser Leben ist, stellen sich Zufriedenheit und ein tiefer innerer Frieden ein. Diese wünsche ich ihnen alle für das kommende Jahr. 🙂

In Wirklichkeit ist dieses Menschsein nichts Besonderes.
Was auch immer wir sein mögen, es handelt sich nur um den Bereich der äußeren Erscheinungen. Wenn wir diesen Schein hinwegnehmen und das Transzendente sehen, dann werden wir sehen, dass nichts vorhanden ist.
Es gibt einfach nur universelle Merkmale. Geburt am Anfang, Wandel in der Mitte und Vergehen am Ende. Das ist schon alles. Wenn wir sehen, dass es sich mit allen Dingen so verhält, dann entstehen keine Probleme.
Wenn wir das verstehen, dann haben wir Zufriedenheit und Frieden.
Ajahn Chah, 1918-1992 (Thailand)

Liebe Grüße
Werner Heidenreich